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"Wo Handel ist, dahin hat auch der Hamburger seinen Fuß zu setzen gewusst." (aus einer Denkschrift von 1848) |
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"Für fünf Stück Seide, hundert Kisten Gin und fünf Fässer Rum wechselte der Küstenstreifen zwischen Abejamure und Abetobo den Besitzer." (aus den Memoiren von Eugen Fischer, Agent des Hamburger Handelshauses G.L. Gaiser) |
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Hamburg rühmt sich gerne als das 'Tor zur Welt'. Von hier aus fuhr man zur See, ließ sich andern Orts nieder, begegnete Menschen und Kulturen und wurde so ganz nebenbei weltoffen. Schließlich war man ja in der besten Absicht unterwegs, um 'Zivilisation in den dunklen Erdteil' zu bringen. |
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Dass die Begegnungen mit anderen Völkern nicht so wertneutral und gleichberechtigt waren, belegen beispielhaft Firmenchroniken von Hamburger Überseekaufleuten. Die hanseatischen Kolonialpioniere waren frühe global players, die die Geschichte auf und zwischen den Kontinenten änderten. Sie waren Großgrundbesitzer, Kriegsgewinnler und diskrete Hintermänner im Sklavenhandel. Sie rodeten enteignete Gebiete zu riesigen Monokulturen, unternahmen 'Strafexpeditionen' ins Landesinnere und setzten auf ihren Plantagen ZwangsarbeiterInnen ein. Sie verstanden es, geschickt Regierungen zu beeinflussen und militärische Unterstützung zu erhalten. |
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In Hamburg entstanden im Zuge des Kolonialismus neue Industrielandschaften. Der Freihafen wurde für den ungehinderten Warenverkehr angelegt. In Fabriken schuftete das Industrieproletariat zu Niedrigstlöhnen für den Mehrwert der 'Kolonialwaren'. Die Koloniallobbyisten saßen in Aufsichtsräten und auf wichtigen politischen Posten und konnten so ihre geschäftlichen Interessen massiv durchsetzen. Gewinne privatisieren und Verluste vergesellschaften, hieß die Devise. Schließlich waren es ja die deutschen Steuerzahler und die Kolonisierten, die die Infrastruktur bezahlten: Transportwege, Verwaltung, militärische Flankierung zum Schutz, zur Förderung und Gewinnmaximierung der Handelshäuser in Übersee. |
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Im Ersten Weltkrieg verlor Deutschland die Kolonien: Verwaltung und Militär mussten nach Hause gehen, während die Pflanzer, Großgrundbesitzer, Händler und Missionare größtenteils bleiben durften. 1934 wurde der 'Afrika-Verein Hamburg-Bremen' gegründet, der überaus freundschaftliche Handelsbeziehungen zum Apartheid-Staat Süd-Afrika aufnahm. Zwischen 1950 und 1970 vervielfachten sich die deutschen Geschäfte mit Südafrika. Die BRD wurde dort der wichtigste Handelspartner in einer Zeit, in der die südafrikanische Rassentrennungspolitik international immer stärker unter Druck geriet. In den folgenden Jahren ging die Zeit der alten Handelshäuser mit Faktoreien zu Ende. Multinationale Konzerne übernahmen das Geschäft, und die Produktpalette änderte sich: statt Lebensmittel exportieren diese Uran, Erdöl und Mineralerze für die deutsche Industrie. |
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Dem 'Afrika-Verein' gehören heute 350 Firmen- und Einzelmitglieder an. Die diplomatischen Repräsentanten der afrikanischen Länder sind Hamburger, die hauptberuflich ihren geschäftlichen Interessen in Afrika nachgehen. Der Kontinent hat die Rolle als Lieferant billiger Rohstoffe übernehmen müssen; der Großteil des Handels ist alles andere als fair trade. Vielerorts in afrikanischen Ländern wird heute die Frage laut nach Reparationszahlungen und Landreformen zugunsten der damals Enteigneten. |
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Und bei uns? In der öffentlichen Wahrnehmung ist das Kapitel der deutschen und hamburgischen Kolonialgeschichte verdrängt. In den meisten Geschichtsbüchern sucht man vergebens Hinweise auf das unrühmliche Schalten und Walten der Überseekaufleute. In Schulbüchern wird das Thema ebenso wenig erwähnt. Fernsehfilme und Jugendbücher vermitteln allenfalls Vorstellungen von Abenteuern und Safariromantik, wenngleich die 'Fremden' meistens als Statisten auftreten dürfen. Und bis in unsere Tage wird so manch ein verklärendes Werk herausgegeben, in dem die Daten von Schlachten, Befehlshabern und Uniformen wichtiger zu sein scheinen als die wirtschaftspolitischen Ursachen und die verheerenden, sozioökonomischen Wirkungen der ausbeuterischen Kolonialpolitik. |
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Im folgenden werden einige Hamburger Firmengeschichten - nicht nur in Afrika - exemplarisch skizziert. |
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Manuel Alvares |
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Im 16. Jahrhundert wanderten sephardische Juden als Flüchtlinge aus Portugal nach Hamburg ein. Viele von Ihnen waren als Kaufleute und Seefahrer im Überseehandel tätig gewesen und brachten ihre weltweiten Handelsbeziehungen mit. Sie wurden Importeure zwischen Lissabon und Hamburg. Diese Struktur war charakteristisch bis ins 19. Jahrhundert: die Hamburger Handelshäuser konnten sich zwar nur indirekt am Kolonialgeschäft der Großmächte beteiligen, verdienten dabei aber sehr gut. |
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Schon 1599 importierte Manuel Alvares Zucker aus Brasilien. Auf den Zuckerrohrplantagen wurden westafrikanische Sklaven unter härtesten Arbeitsbedingungen geschunden. Immer mehr hanseatische Kaufleute stiegen in dieses Geschäft ein - einige ließen sogar in der Hoffnung auf gute Geschäftsbeziehungen ihre Firmennamen ins Portugiesische übersetzen. Sie beteiligten sich zunehmend am Sklavenhandel der europäischen Königshäuser. Vom gutlaufenden Geschäft mit Zuckerrohr profitierten nicht nur die Hamburger, sondern vor allem auch die zu Dänemark gehörenden Flensburger, die aus Zucker Rum brannten. |
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Der Sklavenhändler im atlantischen Dreieckshandel |
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Heinrich Carl Schimmelmann (1724-1782) |
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begann mit Transportgeschäften und Handel mit Kolonialwaren in Dresden. Im Siebenjährigen Krieg beauftragte ihn Friedrich der Große mit der Verpflegung der preussischen Truppen, womit er ein Vermögen verdiente. |
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Der Kriegsgewinnler erwarb sich ein Stadtpalais am Michel in Hamburg und das damals zu Dänemark gehörende Ahrensburger Schloss mit 319 Leibeigenen. Er kaufte weitere Häuser und Güter in Dänemark und Wandsbek, die größte Zuckerraffinerie Nordeuropas in Kopenhagen sowie die vier größten Plantagen auf den dänisch-westindischen Inseln. Nachdem er dem dänischen König zur Sanierung der Staatsfinanzen geholfen hatte, erwarb den Adelstitel eines Barons und wurde zum Schatzmeister (Finanzminister) ernannt. Als Politiker und Unternehmer in Personalunion konnte er schalten und walten nach Belieben. |
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Seine Aktivitäten im In- und Ausland vernetzten Produktion, Handel und Kapitalbeschaffung miteinander. So wurde der autarke Schimmelmannsche Wirtschaftskreislauf in Gang gehalten durch die drei Güter, zwei Fabriken und vier Plantagen sowie durch Beteiligung am transatlantischen Sklavenhandel. Die Sklavenschiffe rüstete Schimmelmann selbst aus oder ließ diese chartern. Mit rund 1000 Sklaven auf den eigenen Plantagen gehörte Schimmelmann in seiner Zeit zu den größten Sklavenhaltern weltweit. |
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In seinen Wandsbeker Einrichtungen für Armenfürsorge verarbeiteten Waisenkinder Wolle und Baumwolle zu Textilien. Der Straßenname 'Kattunbleiche' in Wandsbek erinnert noch heute an das Wirtschaftsimperium. |
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Neben dem 'Negertuch' genannten Baumwollstoff gehörten Branntwein und Gewehre zu den wichtigsten Tauschgütern im Handel mit Sklaven. Eigene Schiffe oder die Flotte des Altonaer Reeders von der Smissen brachten die Hamburger Ware nach Afrika und setzten sodann ihre Fahrt fort zu den Westindischen Inseln, diesmal mit menschlicher Fracht. |
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Die letzte Etappe des Dreieckhandels bildeten Schiffsladungen mit Zucker, Rum und Baumwolle von den westindischen Plantagen nach Europa zur Weiterverarbeitung in den Schimmelmannschen Manufakturen. -> Schimmelmann-Büste in Wandsbek |
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Veranstaltungsreihe Schimmelmann > pp. Hamburg entfernt ein Kolonialdenkmal 28.11.-30.11.2008 im Künstlerhaus FRISE in Hamburg-Altona |
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Der aufgeklärte 'Direktor des Sklavenhandels' |
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Heinrich Ernst Schimmelmann (1747-1831) |
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Während der Vater ein typischer Vertreter des Frühkapitalismus war, geschickt und rücksichtslos, wurde der Sohn von den Idealen der Französischen Revolution und der Aufklärung beeinflusst. Er wurde dänischer Finanzminister, später Außenminister. Etwas halbherzig versuchte er in einem Plantagengesetzbuch, Reformen durchzusetzen, die jedoch nie in die Tat umgesetzt wurden. Im Gegenteil: in der neugegründeten Kopenhagener 'Ostseeisch-Guineischen Handelsgesellschaft' wurde Ernst Schimmelmann zum 'Direktor des Sklavenhandels' genannt. |
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Die Sklaven wurden nicht viel besser als Vieh behandelt. Der Ausfall an Arbeitskräften durch Flucht, Krankheit oder sonstige Arbeitsunfähigkeit war überaus groß. Aufgrund der teuren Transporte und der hohen Sterblichkeit der Sklaven auf den Schiffen war die Gewinnspanne im Sklavenhandel insgesamt gering. |
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Das dänische Sklavenhandelsverbot von 1792 beinhaltete denn auch Vorschriften, nach denen die 'Bestanderhaltung' auf den Plantagen gefördert werden sollte. Der Import von Sklaven wurde verboten, außer einer vermehrten Zufuhr von Frauen. Förderung der christlichen Ehe und Schonung von Schwangeren und Familien sollten zur Vermehrung des Nachwuchses sorgen. |
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Das dänische Sklavenhandelsverbot erscheint als eine kluge Vorbereitung auf die erwartete weltweite Beendigung des Sklavenhandels. Doch während auf den benachbarten britischen Inseln die Sklavenemanzipation längst durchgesetzt war, konnten die Sklaven auf den dänischen Inseln erst 1848 ihre Befreiung durchsetzen. |
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Der 'König der Südsee' |
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Cesar Godeffroy (1813-1885) |
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An der Handelsdynastie der aus der Schweiz eingewanderten hugenottischen Familie Godeffroy kam in Hamburg des 19. Jahrhunderts niemand vorbei. Als Übersee-Kaufleute brachten sie es zu großem Reichtum, politischer Macht und internationalem Einfluss. |
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Am Beginn der Unternehmenschronik standen ein bescheidener Kaufmann und eine unverhoffte Erbschaft. Ein Onkel aus Holländisch-Guyana hinterließ eine Plantage und 374 Sklaven. Land und Menschen wurde verkauft, und die Familie konnte sich an Überseegeschäften beteiligen: Leinen nach Westindien, Auswanderer nach Australien, Kupfererz aus Chile, Pelze aus Sibirien sowie Kokosöl aus der Südsee nach Hamburg. |
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1847 gründete Adolph Godeffroy die 'Hamburg-Amerika-Packetfahrt-Actien-Gesellschaft' (Hapag). Sie begann mit Segelschiffen, stieg aber schnell auf Dampfschiffe um und überflügelte gegen Ende des Jahrhunderts die Firma Lloyd. Der Bruder Gustav wurde Senator. Unter der Ägide Cesar Godeffroys schließlich stieg die Firma zu einem Imperium auf. Die prunkvolle weiße Villa an der Elbchaussee 499 wurde zur Familienresidenz und zum Wahrzeichen des Reichtums. |
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In den 1850ern etablierte das Unternehmen auf den Samoa-Inseln eine Faktorei und überzog in den folgenden Jahren fast die ganze Südsee mit einem Netz von 45 Niederlassungen und Agenturen. Es wurden Plantagen für Kokospalmen, Kaffee, Zuckerrohr und Baumwolle angelegt. Zwangsarbeit war dort an der Tagesordnung. |
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Um Profit zu schlagen, ging Cesar Godeffroy nicht zimperlich vor. Lokale Händler wurden von ihm abhängig, weil sie ihre Häuser, Boote und Warenlager von ihm kaufen mussten, wenn sie mit ihm zusammen arbeiten wollten. Godeffroy bestimmte Frachtraten und Warenpreise. Er gewährte seine Lieferungen auch als Kredit und berechnete dafür hohe Zinsen. Keinem Inselhändler gelang es, seine Schulden zu tilgen. |
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Den Verkehr mit den überseeischen Niederlassungen besorgte eine eigene Flotte von 100 Schiffen, die auf der der Firma gehörenden Reiherstiegwerft gebaut wurden. An der Elbe baute Cesar Godeffroy eine Kupferhütte und in Osnabrück ein Stahlwerk. |
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1878 geriet die Firma in finanzielle Schwierigkeiten und musste das Südseegeschäft an die gerade gegründete staatliche 'Deutsche Handels- und Plantagengesellschaft der Südseeinseln' verkaufen. Zwischen 1884 und 1918 war Neuguinea eine deutsche Kolonie. |
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An der Geschichte der Firma Godeffroy & Sohn kann man beispielhaft ablesen, wie die Staatskasse bereitwillig für Verluste Einzelner einsteht. 1848 stand das Unternehmen, das global riskante Geschäfte mit einer dünnen Kapitaldecke betrieb, zum ersten Mal vor dem Ruin. Der Bankrott einer kleinen Bank in Ohio, USA löste eine Kettenreaktion aus, die zur ersten Weltwirtschaftskrise führte. Die Hamburger Kaufmannschaft geriet in einen Strudel aus Zahlungseinstellungen, der auch reihenweise zu Selbstmorden führte. Auch Godeffroy konnte seine Verpflichtungen nicht mehr einlösen. Die Rettung kam dann doch in letzter Minute: 1800 Zentner Silberbarren, per Sonderzug von der Nationalbank aus Wien herbeigeschafft, sicherten die hamburgische Wirtschaft und damit auch das Handelshaus Godeffroy. Cesar Godeffroy gehörte eben zu jenem exklusiven Kreis von Kaufleuten, denen der Staat sein Geld auslieh. |
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Als das Deutsche Reich gegründet wurde, galten die Godeffroys als die reichste Familie Deutschlands. Doch in Wirklichkeit standen die Bilanzen auf wackeligem Fundament. Der Hamburger Bankier Gottlieb Jenisch war 1873 besorgt, dass die Brüder "bey den vielen großartigen industriellen Unternehmungen, wodurch immer neue Capitalien absorbiert werden, zu weit gehen, und wenn einmal eine Crisis eintritt, sie festsitzen". |
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Und genauso geschah es in der Wirtschaftsflaute der Gründerjahre. Die Rohstoffmärkte brachen weg, und Cesar Godeffroy geriet an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Doch jahrelang konnte er darüber hinweg täuschen, weil er vorgab, das Südsee-Geschäft werfe große Profite ab. Er verbreitete das Gerücht, England profitiere von der 'kurzfristigen Verlegenheit' der Godeffroys, um auf Samoa Fuß zu fassen. Bismarck glaubte ihm. Der Reichskanzler schickte einen Erlass, das Deutsche Reich möge die Firma in der Notlage unterstützen. Er forderte die Öffentlichkeit mit Hilfe der Deutschen Bank auf zur Zeichnung von Aktien einer neu gegründeten 'Deutsche Handels- und Plantagengesellschaft der Südseeinseln'. Das Reich übernehme die Zinsgarantie. Die Finanzhilfe für das Haus Godeffroy sei eine nationale Pflicht, so Bismarck. Doch die Hamburger Kaufmannselite lehnte die Unterstützung der notleidenden Firma ab. |
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Inzwischen hatte ein Bremer Kaufmann einen Wirtschaftsspion nach Samoa geschickt. Fazit: der legendäre Reichtum Godeffroys war nicht mehr als ein Mythos, die Firma war pleite. Die Presse verhöhnte die staatliche Subventionierung der Privatwirtschaft und stellte zudem die Erwerbung von Kolonien grundsätzlich in Frage. Die Lesung der 'Samoa-Vorlage' im Reichstag wurde für die Regierung ein Reinfall, der Gesetzesentwurf wurde abgelehnt. |
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Überhöhte Firmenrisiken im häufig unüberschaubaren globalen Geschäft sind bis heute problematisch geblieben. Die Praxis der staatlichen Hilfe für marode Privatunternehmen ebenso. Und wenn es der Konjunktur schlecht geht, fordern die Politiker neuerdings zu mehr Konsum als 'patriotische Pflicht'. |