Autor: Uwe Niederdräing
Datum: 02.11.2004 09:26
"In der Tat: nicht zwangsläufig. Aber Auftragskunst bedeutete auch, Macht zu demonstrieren, denken Sie nur an Bildnisse von Königsfamilien, Napoleon etc. "
Ist dann Macht etwas verwerfliches?
"Die sixtinische Kapelle ist hier kein gutes Beispiel, denn es handelt sich ja um religiöse Kunst. Diese zementierte zwar auch gelegentlich einen Machtanspruch ("König von Gottes Gnaden"), aber eben nicht immer. "
Die sixtinische Kapelle steht im Vatikan. Der gesamte Vatikan ist aber ein gewaltiges Symbol der päpstlichen Macht. Die Kapelle diente auch immer als besonderer Repräsentationsgegenstand des Papstes, z.B. bei Besuchen ausländischer Gäste.
Kunst ist nicht Geschmack. Kunst ist Geschichte, die von Kunsthistorikern, Kunsttheoretikern und Kunstvermittlern geschrieben wird.
Kunsthistoriker schreiben Kunstgeschichte, Künstler erschaffen Kunst. Kunst wird nur durch künstlerisches Schaffen kriert. Blanke Kompilation und positivistische Sammelei, Kategorisierungen etc. können das Phänomen Kunst nicht einfangen.
Die Ignoranz, mit der sich die Kunsttheoretiker das Verdiensst anderer Leute auf die Fahnen schreiben, ist wie ein laues Lüftchen, der in der sixtinischen Kapelle weht.
Kunst hat einen Kanon.
Na, warum hat es denn der Herr Reich-Ranicki so schwer, ihn auszuloten?
Kitsch ist, wenn es pathetisch wird, und das Wissmann-Denkmal ist zweifelsohne pathetisch.
Pathos ist nicht gleich Kitsch. (sonst gäb es keine zwei Begriffe dafür ;) )
Nur gut, dass Künstler heute freier arbeiten können.
"...Oh glücklich, wer noch hoffen kann, aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen..."
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