Autor: Uwe Niederdraeing
Datum: 15.11.2004 01:17
Hi, Anne
ich glaube, es gibt zwischen uns einige Missverstaendnisse und einige Sachen, wo die Meinungen tatsaechlich auseinandergehen. Weil ich meinen ersten Beitrag zugegebenerweise etwas emotional geschrieben habe (lag daran, daß das Thema ja auch Emotionen waren), habe ich vielleicht nicht ueberall die noetige Praezision verwendet.
> Eine Tapferkeit, mit besseren Waffen gegen AfrikanerInnen zu
> kämpfen?
> Ihnen das Land und Ressourcen wegzunehmen? Welche Notwendigkeit
> bitte war hier vorhanden, außer Interessen der Kapitals oder
> Abenteurerlust?
Bitte mich nicht so zu verstehen, dass ich den Besserwisser rauskehren will.
Bei dem Teil, wo ich schreibe, dass mein Vorfahre im Afrikakorps war, beziehe ich mich auf den Zweiten Wltkrieg. Das Afrikakorps kämpfte u.a. in Libyen, Ägypten usw, allerdings nie gegen Afrikaner, sondern immer nur gegen die Briten. Vielleicht ist es muessig, aber ich erwaehne trotzdem, dass bei den Tuareg die Deutschen ungeheuer beliebt waren wegen ihrer ehrenhaften Kampfweise.
Ich denke, daß deshalb deine Fragen prinzipiell noch berechtigt sind (Ehre/Kampf gegen Eingeborene / Unterdrueckung), aber in diesem speziellen Zusammenhang nicht. In anderen Beitraegen gehe ich auch (und bin es schon) auf meine Einstellung zu den Kolonialkriegen allgemein und Deutschland ein. Darüeber koennen wir gerne noch ausfuehrlich diskutieren.
> Keiner macht sich lustig über deutsche Soldaten. Recherche und
> eine kritische Analyse über Kriegsgeschehnisse tut not.
Die analyse tut not, da hast du recht. Ich meinte auch mit sich lustigmachen nicht unbedingt das Forum sondern wollte es eher als eine "wenn sich jemand lustigmacht, dann werd ich sauer"-Bemerkung verstanden haben. Also, kein Widerspruch von mir.
> Das stimmt ja ausnahmsweise - wir profitieren immer noch von
> den damaligen und den heutigen Geschäften.
Stimme auch zu. Aber das "ausnahmsweise" finde ich etwas hart.
> Und was sagt uns die Wehrmachtausstellung?
> Wahrscheinlich haben Sie hier sowieso eine andere Meinung als
> ich.
Vermutlich, obwohl ich Deine Meinung nicht kenne. Ich denke aber, dass man vor allem bei einer rein politisch motivierten Ausstellung, die schon einmal wegen Fälschungen zurückgezogen wurde, deren Autoren nicht unparteiisch sind und die mit sträflichlichen Verallgemeinerungen arbeitet, mindestens ebenso kritisch sein muss wie mit andern Polit-Dokumenten. Die Anti-Wehrmachtsausstellung ist aber nie eine Darstellung dessen gewesen, was in der Forschung "Stand der Dinge" war, sondern immer nur eine Meinung. Deshalb ist sie keine Bibel, keine "alleinseligmachende" Wahrheit.
Soweit meine Sachkritik an der Ausstellung. Persoenlich bin ich ueberzeugt (nicht: Persoenlich bin ich der Meinung), dass sie zum groessten Teil erlogen ist. Kritik fordere ich von jedem ein. Meine Ueberzeugung nicht.
> - Das ist der Weisheit letzter Schluss: Nur der verdient sich
> > Freiheit, wie das Leben, der taeglich sie erkaempfen muss!
> Meinen Sie, dass es nicht alle verdienen, frei zu sein?
Ich denke, dass das Zitat anders gemeint ist:
Nicht "Wer verdient Freiheit?" - im Sinne von: "Wer sollte Freiheit besitzen duerfen in einer idealen Welt"
sondern: "Wer verdient sich Freiheit?" im Sinne von "Wer erarbeitet sich seine Freiheit?" "Wer hat genug getan, um frei zu sein?"
Goethe wollte darauf hinaus, das man tatsächlich sich die Freiheit erst erarbeiten (verdienen) muß, erobern muss, und dass sie einem nicht in den Schoss faellt. Im Umkehrschluss verlieren oft Leute (nicht nur, aber auch), die nichts fuer ihre Freiheit tun, diese Freiheit in der Wirklichkeit, im tatsaechlichen Hier und jetzt wieder.
Ausserhalb von unserem goldenen Kaefig hat diese Regel noch ueberall Gultigkeit. Ob das Gut oder Schlecht ist, ist wieder eine andere Frage, aber gerade diese Weltschmerzdiskussion wollte Goethe ja abwuergen und ich auch, weil ich vermutet habe, dass Xenia vielleicht darunter leidet. Aber diffuser Weltschmerz hilft einem selber direkt in grosser Not auch nicht weiter.
> Mut, Tapferkeit, Edelsein, Treue, Freiheit - große Worte für
> Soldaten.
> Welche Maxime finden Sie für Pazifisten, Kriegsverweigerer,
> Deserteure?
Pazifisten: Eine Mentalitaet, die ich nie begreifen werde, die ich aber unter gewissen Bedingungen und bei gewissen Menschen bewundere. Fuer einen Pazifisten ist, glaube ich:
Leidensfähigkeit wichtig, Vertrauen, dass die Welt sich so entwickeln wird, wie sie es soll.
Kriegsverweigerer geht denke ich in dieselbe Richtung wie Pazifist.
Deserteure: Nun, es hängt hier davon ab, warum man desertiert hat.
Nach dem Prinzip des Pflicht/Neigung-Konflikts wuerde ich sagen, man macht sich prinzipiell immer schuldig, wenn man seine Treuepflicht verletzt. allerdings kann dies unter Anführung höherer Werte manchmal das kleiner Übel sein. Auch wer desertiert, weil er unter Zwang für eine fremde (d.h. nicht seine Heimat verteidigende) Armee kämpfen muss, handelt nicht unmoralisch, wenn er desertiert. Für diese Menschen gelten die von mir angeführten Prinzipien dann auch weiterhin.
Desertation aus Pazifismus - siehe Pazifisten
In allen anderen Fällen fällt es mir sehr schwer, mit einem Deserteur zu sympathisieren (z.B. Angst).
Ich kann da nicht eine Empfehlung aus dem Arm schütteln.
Ciao erstmal. Bitte Tippfehler zu entschuldigen, oder Du-Form, falls als unhöflich empfunden.
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