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Datum: 16.02.2005 22:11
Angelo Soliman, ehemaliger Sklave, kaiserlicher ?Hofmohr? und Freilogenmitglied in Wien. Er war ?ein bis in oberste Kreise angesehener und geschätzer Mann: weitgereist, klug und gebildet (er beherrschte sechs Sprachen neben seiner Muttersprache und war ein brillanter Schachspieler), avancierte er gar zum gern gesehenen Gesellschafter Kaiser Josefs II...?
Am 21. November 1796 verstarb Angelo Soliman.
?Als die Todesnachricht in der Wiener Gesellschaft ihre Runde machte, kam die prompteste Reaktion von allerhöchster Stelle: Kaiser Franz II., von der Person Soliman fasziniert und den Auswüchsen des Exotismus infisziert, äußerte den Wunsch, die "Schönheit seiner feingeschnittenen Gesichtszüge und die Zartheit und Ebenmäßigkeit seines Baus" für die Nachwelt zu erhalten. Der mit der Durchführung beauftragte Bildhauer Franz Thaller leistete ganze Arbeit: Schon wenige Stunden nach Solimans Ableben ging der Künstler daran, dem Leichnam erst einen Gipsabguß abzunehmen und ihn dann in die Wagenremise der k. u. k. Hofbibliothek zu überführen, um ihn dort nach allen Regeln seiner 'Kunst' zu präparieren. Gehäutet und ihres Skeletts beraubt, wurden die nicht weiter verwendbaren, sterblichen Überreste Angelo Solimans am 23. November 1796 auf dem Währinger Friedhof beigesetzt.
Das verblüffend lebensechte Ergebnis Thallerscher Fingerfertigkeit und Fantasie aber avancierte zum vielbestaunten, halbnackten Prunkstück des neu gegründeten k. u. k. Hof-Naturalienkabinetts. L. J. Fitzinger, der Verfasser der "Geschichte des k. k. Hof-Naturalienkabinetts" (1856) hat schwarz auf weiß festgehalten, was es da im vierten Zimmer des Museums, inmitten einer tropischen Landschaftskulisse, umgeben von ausgestopften Bisamschweinen, Tapiren und Singvögeln, zu sehen gab:"Angelo Soliman war in stehender Stellung mit zurückgerücktem rechten Fuß und vorgestreckter linker Hand dargestellt, mit einem Federgürtel um die Lenden und einer Federkrone auf dem Haupt, die beide aus roten, blauen und weißen, abwechselnd gereihten Straußfedern zusammengesetzt waren. Arme und Beine waren mit einer Schnur weißer Glasperlen geziert und eine breite, aus gelblichweißen Münzporzellanschnecken (Cypraea Moneta) zierlich geflochtene Halskette hing tief bis an die Brust herab."
Die vielfachen, verzweifelten Bitten der Tochter Solimans um Herausgabe der zweckentfremdeten Leichenteile ihres Vaters blieben (trotz ebenfalls massiver Intervention durch das fürstbischöfliche Konsistorium) Zeit ihres Lebens unerhört. Statt dessen bescherte die fehlgeleitete Sammelwut des "guten" Kaisers Franz dem menschlichen Exponat Angelo Soliman in seiner musealen Gruft noch vierfach unfreiwillige Gesellschaft.
Als in den Bürgerkriegswirren des Jahres 1848 eine verirrte Kugel in das Gebäude einschlug und der darauf folgende Brand verheerende Folgen zeigte, verfaßte das Oberkämmereramt einen Schadensrapport, in dem man heute noch nachlesen kann, wie sehr die kaiserliche Menschensammlung bereits angewachsen war, bis sie endlich ein Raub der Flammen wurde: ,,Dann von Menschen der Neger Salomon Angelo über Holz von Bildhauer Thaller kunstgemäß verfertigt, ein zweiter Neger vom Oberkrankenwärter Narciss von den barmherzigen Brüdern zu Geschenk erhalten, durch Herrn Bildhauer Schrott über Holz aufgezogen samt Kasten dazu; ein dritter, welcher in der k. k. Menagerie in Schönbrunn als Tierwärter ausgestellt war, von Herrn Phillip Agnello, dem nachherzigen Reisenden in Egypten ausgestopft und ein ausgestopftes Negermädchen, welches als Geschenk vom König von Neapel kam."
zum Weiterlesen
http://www.afrikanet.info/cont/popups/dias_040307/dias_040307.html
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