Autor: Rrose
Datum: 01.11.2004 22:03
Arne Schöfert schrieb:
> Auftragskunst war über Jahrhunderte leider der der einzige Weg
> für Künstler zum Broterwerb. Dieser Entstehungsgrund muß
> deswegen nicht zwangsläufig dazu führen, daß solche Kunstwerke
> zu verdammen sind.
In der Tat: nicht zwangsläufig. Aber Auftragskunst bedeutete auch, Macht zu demonstrieren, denken Sie nur an Bildnisse von Königsfamilien, Napoleon etc.
> Da stimmen sie mir sicher zu, denn dann
> wären so gut wie alle Kunstobjekte in unseren Museen betroffen.
> Von Antikenstatuen, Gemälden bis zur Decke der sixtinischen
> Kapelle und so weiter.
Die sixtinische Kapelle ist hier kein gutes Beispiel, denn es handelt sich ja um religiöse Kunst. Diese zementierte zwar auch gelegentlich einen Machtanspruch ("König von Gottes Gnaden"), aber eben nicht immer. Die Antikenstatuen haben nicht nur Herrscher abgebildet, sondern auch Sportler, Frauen u.a.
>
> Wenn sie die Ausführung für kitschig halten, steht ihnen das
> frei. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Ich für
> meine Person bin tolerant genug um jedermann seinen Geschmack
> zu lassen. Man sollte nicht missionarisch versuchen andere
> Leute von seinem Kunstverständnis zu überzeugen.
Kunst ist nicht Geschmack. Kunst ist Geschichte, die von Kunsthistorikern, Kunsttheoretikern und Kunstvermittlern geschrieben wird. Kunst hat einen Kanon.
Kitsch ist, wenn es pathetisch wird, und das Wissmann-Denkmal ist zweifelsohne pathetisch.
Künstler haben sich über Jahrhunderte in den Dienst von Machthabern begeben und haben deren Macht verherrlichend in Bildern umgesetzt. Machtstrategien sind etwa Proportionenverschiebungen, um die zentrale Figur größer und wichtiger erscheinen lässt oder die Wahl, Gestaltung und Kontext der Umgebung, in der das heldenhafte Denkmal stehen soll. Nur gut, dass Künstler heute freier arbeiten können.
|
|