Autor: ZeitSchiff
Datum: 27.10.2004 17:22
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Ein Malheur ist etwas anderes. Wenn Deutschland nicht nur die Grishams, sondern auch die Brecht-Debatten aus den USA zu importieren beginnt - das ist ein Malheur. Wenn in dieser Brecht-Debatte längst bekannte Tatsachen im Brustton moralischer Entrüstung vorgetragen werden, beispielsweise das Faktum, daß die Brecht Factory auf Teamarbeit beruhte - das ist ein Ärgernis. Und wenn ein selbsternannter USFeminist sich zum Rächer der ausgeplünderten und um ihre Anteile betrogenen Brecht-Koautorinnen aufwirft - das ist eine Dreistigkeit.
John Fuegi zeigt sich in "Brecht & Co." darüber empört, eine Margarete Steffin, eine Ruth Berlau, eine Elisabeth Hauptmann "in einer Fußnote zu beerdigen", statt sie als Mitarbeiterinnen am Kollektivwerk, das unter dem Markennamen Brecht bekannt ist, gebührend zu präsentieren. John Fuegi selber würde so etwas nie tun. Er würde die einschlägige Arbeit einer Frau niemals in einer Fußnote beerdigen. Er schweigt sie lieber gleich ganz tot.
Sabine Kebir verdanken wir einige bahnbrechende Untersuchungen über den Anteil der weiblichen Koautoren, namentlich Elisabeth Hauptmanns, am Brecht-OEuvre. Sie widerspricht, mit guten Gründen, Fuegis plumper "Sex for Text"-These und seinem spießigen Frauenbild. In seinem Mammut-Anmerkungsapparat erwähnt Fuegi Kebirs Arbeiten mit keinem Wort. Da lobt man sich doch den Frauenausbeuter Brecht. Der hat Frau Hauptmanns Arbeit wenigstens finanziell anerkannt, durch Beteiligung an den Tantiemen.
http://zeus.zeit.de/text/archiv/1998/02/planet0298.txt.19980102.xml
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