Autor: Walter Rahn
Datum: 10.12.2004 15:29
Die Studenten, die das Denkmal vom Sockel stießen, wussten offensichtlich ebenso wenig, wie die finnische Künstlerin, die es als "Gegendenkmal" am Hafen aufstellen ließ, wer eigentlich Hermann von Wissmann war, und was er für die Wissenschaft und die Menschen in Afrika geleistet hat. -Als Offizier befasste er sich zusätzlich zu seinem Militärdienst mit universitären Studien der Geschichte und Geographie. Dabei lernte er in Rostock den Afrikaforscher Dr.Pogge kennen und sah 1850 eine Landkarte von Afrika mit einem großen weißen Fleck zwischen dem Kongogebiet und Angola im Westen und dem Ostafrikanischen Graben. Dr.Pogge und Wissmann beschlossen, sich der Erforschung dieses Gebietes anzu-nehmen. Der Offizier erhielt Sonderurlaub und erreichte die Finanzierung der ersten Forschungsreise mit 20.000 Mark durch das Reichskanzleramt. Dieser Betrag reichte aber nur zur Einstellung einer geringen Anzahl von Trägern und der Mitnahme einer kleinen Materialausstattung. Nach der Erkrankung von Dr.Pogge übernahm Major v.Wissmann auch die wissenschaftliche Leitung der Expedition, die trotz der unzulänglichen Ausrüstung als erste Durchquerung Afrikas von West nach Ost erfolgreich zu Ende geführt werden konnte und am 14.11.1882 den Indischen Ozean erreichte. Es war ein großer persönlicher Erfolg Hermann v.Wiss-manns und ein ebensolcher für die Wissenschaft, der umso höher zu bewerten ist, da die topographischen Arbeitsbedingungen äußerst magnelhaft waren. Mit Uhr und Kompass mussten Visierpunkte wie Berge, Flüsse und andere Landmarken festgelegt und auf Notizblockblättern eingetragen werden, die dann zu einem Gesamtbild des durchschrittenen Gebietes zusammengefasst wurden. Besondere Schwierigkeiten entstanden durch Schluchten, Windungen der Flüsse und unzurei-chende Fernsicht im Urwald. Der erfolgreiche Abschluss dieser Pionierleistung war nur durch die Energie und das Durchhaltevermögen des Expeditionsleiters mög-lich, der das Vertrauen der Häuptlinge durch respektvolles und würdiges Aufteten gewann und dadurch ihre volle Unterstützung erreichte. Am 13.11.1883 erfolgte eine wesentlich besser ausgerüstete Expedition im Auftrag von König Leopld II. von Belgien. V.Wissmann wurde krank und übergab die Leitung seinem Vertreter Dr.Wolf. Bereits am 8.1.1886 brach der wieder genesene Afrikaforscher von Banana im Kongo erneut zu einer Durchquerung Afrikas auf, bei der er den Tanganjika-See, den Njassa-See und anschließend die Ostküste des Kontients erreichte. Bei dieser Forschungsreise konnte er sich auch ethnologischen Fragen widmen, lernte die Traditionen der Stämme kennen und würdigte ihre kulturellen Leistungen. Dabei erlebte er auch die Menschenjagd arabischer Sklavenhändler. Als späterer Gouverneur von Deutsch-Ostafrika hat v.Wissmann deshalb mit besonderem Engagement die Anordnung Bismarcks zur Bekämpfung des Sklaven-handels durchgeführt. -Staatspräsident Nyerere besuchte auf einer Europareise demonstrativ zuerst Deutschland und antwortete auf die darauf bezogene Frage eines Journalisten: Mein Stamm hat aus Dankbarkeit für die Befreiung aus arabischer Sklaverei Blutsbrüderschaft mit Hermann v.Wissnmann geschlossen. -Seine Forschertätigkeit würdigten der König von Belgien und der Sultan von Sansibar. Die philosophische Fakultät der Universität Halle verlieh ihm die Ehren-doktorwürde. Im Text der Urkunde wurde besonders darauf hingewiesen, dass v.Wissmann ohne reguläres Universitätsstudium der wissenschaftlichen Forschung einen wichtigen Beitrag geliefert hat.
Das Denkmal dieses berühmten Afrikaforschers und Wohltäters der eingeborenen Bevölkerung des ehemaligen Deutsch-Ostafrikas sollte nach der Restaurierung im Tansania Park in HH-Jenfeld aufgestellt werden.
Quellenangaben:
1. Prof. Dr.Lohes: Vortragskonzept vom 1.10.1969
2. Erwin Mau: Hermann v.Wissmann Deutschlands größter Afrikaner
3. Max Walsleben: Hermann v.Wissmann persönlich
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