Autor: Webmaster
Datum: 21.02.2005 23:03
Die Löcher sind weder Einschüsse, noch haben die Studenten den Askari oder den Löwen beschädigt. Es handelt sich auch nicht um Vandalismus, was mit zielloser Zerstörungswut übersetzt wird. Der Denkmalsturz - wie die meisten Denkmalstürze in der Geschichte - war eine gezielte und geplante Aktion, ein Ritual (Speitkamp).
Zuvor hatten sich die schwarzen KommilitonInnen über die zwei Denkmäler vor der Uni beschwert. Nicht nur die Wißmann-Figur wurde gestürzt, sondern auch die danebenstehende Skulptur von Hans Dominik, der berüchtigte Schutztruppenoffizier in Kamerun, dessen Terrormethoden um 1900 herum wiederholt Thema im Reichstag gewesen waren.
Der Filmemacher Theo Gallehr hat 1968 vier Tage lang die StudentInnen für die ARD begleitet (erst 1988 wurde der Film ausgestrahlt). Am letzten Filmtag wurde das Denkmal gestürzt. In seinem Film 'Der Landfriedensbruch' zeigt Gallehr, wie die Studenten schon Tage zuvor die Aktion planen. Die Schraube am Fuß der Wißmann-Figur wird mit Maschinenöl gelockert, eine Seilschlinge um den Hals gelegt und dann wird gezogen. Die Skulptur fällt - unmittelbar danach werden die Studenten festgenommen. Es sind keine Spitzen oder harten Gegenstände im Spiel, die die Löcher erklären könnten.
Auf alle Fälle blieben der Askari, die Reichsfahne und der Löwe bei allen drei Denkmalstürzen unbeschädigt:
- 1945 bei den Bombardements der Alliierten
- 1967 beim ersten studentischen Denkmalsturz
- 1968 beim zweiten - und letztendlich erfolgreichen - Sturz
Historische Photos zeigen diese Tatsache; diese können direkt auf der Tafel am Denkmal besichtigt werden. Und warum hätten die Studenten den Askari stürzen wollen, wo sich doch ihre Wut gegen die zwei Denkmäler und die Personen Wißmann und Dominik und allgemein gegen den Kolonialismus richtete? Die Begründung für den Sturz geht deutlich aus den vorbereitenden Gesprächen in Theo Gallehrs Film hervor. Vor dem Sturz hielten die Studenten Reden, die die geplante Aktion begründen. Die Presse war eingeladen und anwesend.
Eine Anfrage beim Denkmalschutzamt ergab, dass es auch dort keine Erklärung für die zusätzlichen Löcher gibt. Vielleicht sind diese beim Transport in den Keller oder bei der Verlagerung entstanden. Bemerkenswert sind die zwei kleineren Löcher, die sich fast symmetrisch an den Beinen des Askari-Soldaten befinden.
Das Denkmal wurde für dieses Projekt so aufgestellt wie vorgefunden. Der Wißmann-Figur fehlt der Säbel, der Askari-Figur das spitze Ende des Feldmessers, dem Löwen das Schwanzende, der Fahne das Stockende.
Winfried Speitkamp schreibt in seinem Buch 'Denkmalsturz', dass spätestens seit den zahlreichen Denkmalstürzen in der Französischen Revolution es üblich war, Stücke des Gestürzten als Trophäen mitzunehmen. Was beim Sturz, nach dem Sturz vor dem Abtransport (einige Tage dazwischen), beim Abtransport oder bei der Verlagerung weggekommen ist, kann nicht mehr genau rekonstruiert werden.
|
|