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Autor: Nzuri
Datum: 01.10.2004 17:52
Hans Heckel schrieb:
> Allerdings sollten wir
> deren Lage nicht mit derjenigen heutiger europäischer
> Landarbeiter vergleichen, sondern mit der damaliger
> Landarbeiter in Europa. Die lebten noch bis ins 20. Jahrhundert
> hinein nicht selten in fensterlosen Räucherkaten unter
> mittelalterlichen Bedingungen. Den deutschen Kolonialisten kann
> man vorwerfen, diese Verhältnisse auf Afrika übertragen zu
> haben.
Ihr historischer Vergleich hinkt insofern, als daß der Kolonialismus ja nach 'Rasse' urteilte, egal, ob arm oder reich. Schwarze Hautfarbe bedeutete Minderwertigkeit in den Augen der Herrenmenschen. Der Weiße entschied über Leben und Tod eines Afrikaners. So kam es dann auch zum Völkermord. Der europäische Landarbeiter war arm und abhängig, aber immerhin hatte er eine weiße Hautfarbe, die ihn davor schützte, beliebig ermordert zu werden.
> Wir müssen uns heute ein EIGENES Urteil bilden? Einverstanden,
> geht in der Tat ja auch nicht anders. Aber der Versuch, die
> vergangenen Dinge aus ihrer Zeit heraus zu verstehen, ist
> dennoch unumgänglich, wenn man die Vergangenheit begreifen
> will. Der Wunsch, zu einem eigenen Urteil zu gelangen, darf
> nicht beherrscht werden vom Drang zum gnadenlosen Aburteilen.
> Denn dieser Drang vernebelt das Urteilsvermögen, das von der
> Suche nach Gerechtigkeit geprägt sein muß. Und wie vor jedem
> Gericht spielen da "die Umstände der Tat" (in diesem konkreten
> Fall: das Zeitalter, in dem sie geschah) eine wesentliche Rolle
> bei der Urteilsfindung. Wenn nicht, verläuft sie ungerecht.
Zahlreiche jüngere HistorikerInnen sehen eine mentalitätsgeschichtliche Kontinuität zwischen dem Kolonialismus und dem Holocaust. Gilt Ihre o.a. Argumentation denn auch dem Holocaust? Sollen wir nach Ihrer Meinung auch versuchen, den Holocaust 'gerecht zu urteilen'?
In diesem Zusammenhang möchte ich anführen, daß es durchaus um 1900 herum Kritiker des Kolonialismus gab, vor allem in den Reihen der Sozialdemokraten. August Bebel selbst hat die Ungerechtigkeiten erkannt und im Reichstag immer wieder die Mißstände in den Kolonien angeprangert.
Unser Fokus sollte hier und heute sein, aus uns heraus. Wir sollten versuchen, die Kolonialzeit zu erinnern und ihre Kontinuitäten zu verstehen. Wir müssen Rassismus heute scharf zu verurteilen, wo immer er auftaucht.
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Richard Koch |
01.10.2004 09:48 |
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Hans Heckel |
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Nzuri |
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Hans Heckel |
01.10.2004 14:57 |
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Re: Eurozentrische Sichtweise |
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Nzuri |
01.10.2004 17:52 |
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