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Autor: Hans Heckel
Datum: 07.10.2004 15:28
Mit "eine ganze Menge Weg" meine ich vor allem: Keine irgendwie zwingende Kontinuität, denn diese "Mentalitätskontinuität" beispielsweise zwischen Ballin und dem NS herzustellen wäre abwegig. Und mir ist nicht bekannt, daß es zwischen jüdischen und nichtjüdischen Akteuren des Kolonialismus wesentliche Unterschiede in der Handlungsweise gab. Rassistisch grundiert waren sie in jener Zeit wohl in ihrer großen Mehrheit, aber eben gewiß nicht auf planvolle Massenvernichtung aus wie die Nazis. Da ist nicht bloß ein quantitativer, sondern auch ein gravierender qualitativer Unterschied. So sehr wir beide und alle weiteren Rassismus-Spielarten grundsätzlich ablehnen, die Unterschiede zu verwischen führt zu falschen Schlüssen und Urteilen.
Zudem: Der größte Massenmord der Kolonialgeschichte geschah durch die Belgier, die im Kongo nach Schätzungen bis neun Millionen Menschen massakrierten, doch der NS ist eine deutsche Gründung.
Nzuris nachvollziehbare Befürchtung ist die, daß wir über das "Verstehen aus der Zeit heraus", das ich reklamiere, in einem bodenlosen moralischen Relativismus versinken, bei dem am Ende alles irgendwie "verständlich" im (flaschen) Sinne von "entschuldbar" wird. Ich halte diese Furcht für unbegründet: Die Nazis trieben beträchtlichen Aufwand, um ihren Massenmord zu vertuschen. Als Göring einmal im Kreise der höchsten NS-Chargen das Wort "Liquidierung" herausrutschte, geriet Hitler nach Augenzeugenberichten außer sich. Niemand kann mit Gewißheit sagen, was jeder einzelne Zeitzeuge wußte, fest steht aber, daß die Nazis Euphemismen wie "Endlösung" erfanden, umfangreiche Geheimhaltungsmaßnahmen trafen und Lügen vom humanen Leben in den KZs verbreiteten, weil sie genau wußten, daß das, was sie taten, weder aus "ihrer" noch aus sonst irgendeiner Zeit heraus erklärbar gewesen wäre.
Die Kolonialisten waren hingegen in aller Regel selber davon überzeugt, den einheimischen Völkern etwas Gutes zu tun. Die Briten sprachen gar von "The White Man's Burden", die armen. Unsere Vorstellung von der unbedingten Gleichberechtigung aller – unabhängig von Rasse, Religion, Geschlecht, Überzeugung etc. – war noch im Werden.
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