Autor: Kai W.
Datum: 02.05.2005 19:47
Selbstverständlich bezog sich meine Argumentation auf Zeitzeugenberichte und nicht auf Interpretationen der zweiten oder vierten Generation der Sekundärliteratur.
Als ich schrieb, dass es falsch ist, sich lediglich auf Beiträge von deutschen Truppenangehörigen zu beziehen, meinte ich es auch so. Diejenigen, die die Kolonialgeschichte lediglich als Militärgeschichte der Deutschen betrachten, vergessen oder verschweigen, dass es umfangreiche Korrespondenzen und Berichte aus ganz anderen Quellen gibt:
- zwischen der Kolonialverwaltung und Berlin (Reichstag, Reichskanzler, Kaiser) (z.B. über den ?wirtschaftlichen Verlust? an (Zwangs)arbeitskräften, den das Massensterben in den Konzentrationslagern verursachte u.v.m.)
- zwischen Siedlern und Firmen und der Kolonialverwaltung (z.B. über Rekrutierung von Zwangsarbeitern aus den Lagern)
- Zeitzeugenberichte von Missionaren (die das grausame Vorgehen bei den Kämpfen und in den Konzentrationslagern anprangen oder gutheißen - je nachdem)
- von den Herero- und Namaführern Samuel Maharero,
Hendrik Witbooi (Briefe im Namibischen Nationalarchiv), Daniel Kariko, Traugott Tjienda u.a.
Warum sollten die Zeitzeugen vertrauenswürdiger sein als etwa die offizielle Berichterstattung? Die Tagebuchaufzeichnungen der einfachen Soldaten sind ja aus einer sehr subjektiven Sicht heraus entstanden und schwanken zwischen Hurra-Patriotismus, Verherrlichung des Krieges und Beschreibung der von der ?Schutztruppe? begangenen Grausamkeiten. Einigen kommt der Zweifel. Die Schriftstücke der Befehlshaber wiederum, etwa Leutweins, Deimlings, Trothas oder des Deutschen Generalstabwerks, sind auch nicht gerade die objektivste Quelle.
Alle zeitgenössich Beteiligten hatten ihre eigene Sicht. Deshalb kommt den Historikern die Aufgabe zu, die Aussagen zu entwirren und wissenschaftlich zu untersuchen. Wichtig ist dabei, alle Quellen und Dokumente zu Rate zu ziehen und nicht nur diejenigen der deutschen Truppen.
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