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 noch ein Gedicht
Autor: Sucher 
Datum:   11.01.2005 20:57

Die Geier

In jenen Tagen,
als die Zivilisation uns ins Angesicht schlug,
und Weihwasser spritzte auf unsre gezähmten Stirnen,
erbauten die Geier im Schatten ihrer Fänge
den Zeiten der Unmündigkeit ein blutiges Monument.

In jenen Tagen,
erstrebendes Gelächter in der metallischen Hölle der Straßen,
und der monotone Rhytmus der Paternoster
ertränkte das Heulen auf den Pflanzungen des Profits.

O bittres Erinnern an entrissene Küsse,
Versprechen, verstümmelt im Schock der Maschinengewehre,
an furchtbare Menschen, die ihr nicht Menschen wart,
ihr kanntet alle Bücher und keine Liebe.

Doch wir, deren Hände den Leib der Erde befruchten,
die Wurzeln unsrer Hände, wie die Revolte tief
trotz eurer Hochmutslieder inmitten von Leichenhäusern,
verheerten Dörfern des zerrissnen Afrika
lebte Hoffnung in uns wie in einer Zitadelle,
und von den Minen Swasilands
bis zum sauren Schweiß der Hüttenwerke Europas
wird der Frühling erstehn unter den Schritten der Helle.

David Diop (1927-1960),
senegalesisch-kamerunischer Mediziner, Historiker, Dichter
aus: "Verlernen, was mich stumm macht", Zürich 1980

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 Beiträge Autor   Datum
 Die Geburt der Dritten Welt  
xenia 11.01.2005 18:36 
 noch ein Gedicht  
Sucher 11.01.2005 20:57 


 

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