Autor: Othello
Datum: 01.11.2004 21:07
Eingeborene, Hottentotten, Buschmänner...
Dieser Sprachgebrauch zeugt heute nun wirklich von einer ewiggestrigen Gesinnung. Die Völker nannten sich schon damals anders und dabei ist es geblieben.
C.J. schrieb:
1897 vernichtete eine große Rinderpest nahezu den
> gesamten Viehbestand der Eingeborenen, dadurch ging auch den
> Hereros ihre wirtschaftliche Grundlage im Land verloren. Da die
> Viehherden der weißen Siedler rechtzeitig geimpft wurden, waren
> deren Verluste an Vieh wesentlich geringer. ... Nun hatten aber
> einige Häuptlinge der Hereros im Norden der Kolonie große
> Landflächen an vorwiegend deutsche Siedler verkauft, die
> Hereros nutzten diese aber weiter als Weideland für ihre immer
> größer werdenden Vieherden. Diese und andere wirtschaftlichen
> Probleme führten zu massiven Spannungen zwischen den Hereros
> und den Einwanderern. ... Noch einmal wanden sich "Herero-Großleute" an den
> deutschen Gouverneur, mit der Bitte, ein großes Hereroreservat
> von Otjituepa bis Omitava zu bilden.
Eine Verdrehung der Tatsachen. Woher bitte hatten denn die Deutschen ihr Vieh, das so schön geimpft worden war? Woher hatten sie das Land, auf dem die Rinder weideten? Und die Wasserstellen?
Den Herero war ihr Besitz weggenommen worden durch billige Tauschgeschäfte und durch betrügerische Verträge (in deutscher Sprache, die kein Afrikaner verstand). Die Herero, für die Rinder gottesgleich sind und Eigentum immer kollektiv gewesen war, haben nicht verstanden, dass ihnen jetzt das Vieh und das Land nicht mehr gehören sollte. Sie waren nicht nur ihres Besitzes, sondern damit ihrer Lebensgrundlage, ihrer Existenz und ihrer religiösen Identität beraubt. Diese Strategie brachte den Kolonialisten nicht nur tatsächlichen Besitz, sondern auch die Aussicht, sich die Arbeitskraft der afrikanischen Völker anzueignen: als Plantagen- und Minenarbeiter, im Straßen- und Eisenbahnbau u.a.
> Mit der Losung "Ich kämpfe - tötet alle Deutschen!"
> begann der Aufstand, erst zwei Tage später änderte
> Hererokapitän Samuel Maharero seinen Befehl um in: "... tötet
> keine Frauen, Kinder oder Missionare, keine Buren und
> Engländer". > Es kam zu Plünderungen deutscher Siedlungen und
> teilweise brutalen Morden an rund 150 (manche Quellen schreiben
> von 123) Deutschen, darunter auch 5 Frauen.
Was soll diese Bemerkung mit den zwei Tagen bedeuten? Fünf Frauen wurden auf deutscher Seite getötet. Und wieviele zehntausende Frauen und Kinder auf der Seite der Herero?
> Deutsche Soldaten
> wurden unter "viehischen Martern zu Tode gebracht", so
> beschreibt das Buch "Rust: Krieg und Frieden im Hereroland" die
> Ermordung eines gefangenen deutschen Offiziers durch Hereros
> folgendermaßen: "... dann kamen die Ohren an die Reihe, und als
> sie diese abgeschnitten, stachen sie dem noch Lebenden die
> Augen aus ..."
Ich wage zu bezweifeln, dass dieser Offizier noch lebte, als die Ohren abgeschnitten wurden und die Augen abgestochen. Westafrikanische Völker haben den von ihnen Ermordeten Körperteile rituell aus religiösen Gründen abgeschnitten: die Toten sollten nicht mehr hören und sehen und so zu Untoten werden.
> Soviel zum Märchen des armen, armen Hererovolkes, welches von
> den bösen, so bösen deutschen Massenmördern ohne jeglichen
> Grund in seiner angestammten Heimat (siehe gleich den ersten
> Absatz über die Eroberungen der Hereros) [sic!] aufs brutalste
> - und ich sage es noch einmal - ohne irgend einen auch noch so
> nebensächlichen Grund aufs niederträchtigste dahingemetzelt
> worden ist.
Ohne jeglichen Grund? Was haben denn die deutschen Gutmenschen nach Ihrer Meinung in Afrika gesucht? Missionieren, Sklaven befreien, Bildung geben, 'Zivilisation' und Ingenieursleistungen bringen? Oder etwa Geld verdienen? Enteignen? Zur Arbeit zwingen? Bodenschätze plündern? Und sich in den Afrikanern als Übermenschen spiegeln?
> Wenn man schon über problematischen Themen der Historie redet,
> so sollte man sich zumindest bemühen objektiv zu bleiben, wenn
> man es schon nicht für nötig erachtet sich schützend vor die
> eigenen Vorfahren zu stellen.
Dieser Aufruf nach Objektivität ist ein killing argument, die von allen Seiten kommt. Geschichte kann nie objektiv betrachtet werden, auch nicht als Wissenschaft, denn - und das wissen wir schon längst - es gibt keine Wissenschaft, die neutral ist. Geschichtsverständnis ist prozessual. Sie ist immer eingebettet in ihre Zeit, immer streitbar, was sich auch hier in diesem Gästeforum bestätigt. Lassen Sie uns doch lieber von Geschichtbildern und Geschichtsbewusstsein sprechen.
Und warum sollten wir uns schützend vor die eigenen Vorfahren stellen, wenn diese Mist gebaut haben? Was ist das für eine falsch verstandene Solidarität?
> Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 - 312 O 85/98 - (Haftung
> für Links) hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man
> durch die Anbringung eines Links die Inhalte der gelinkten
> Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch
> verhindert werden, dass man sich ausdrücklich von diesen
> Inhalten distanziert. Hiermit distanziere ich mich ausdrücklich
> von allen Inhalten der von mir verlinkten, bzw. genannten
> Seite.
Ist ja interessant, dass Sie einerseits Werbung für die Webseite www.deutsche-schutzgebiete.de machen, sich aber im gleichen Atemzug wieder davon distanzieren. Sind die Inhalte dort wirklich so heikel?
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