Autor: Ulrich Behrenz
Datum: 05.11.2004 18:53
Es ist eine Riesensauerei wie die Nazis mit Mohammed Hussein Bayume umgegangen sind. Zweifellos war auch Carl Peters ein Desperado, der über Leichen ging, somit unserem Lande schon damals schwersten moralischen Schaden zugefügt hat. Schließlich wurde er ja deshalb bereits 1897 als Reichskomissar von Deutsch-Ostafrika abgesetzt.
Das schließt aber nicht aus, sich mit der historischen Figur Hermann Wissmann sachlich und ehrlich auseinander zu setzen. Wissmann, der durchaus ein verantwortungsvoller Mann war kann m.E. nicht mit C. Peters in einem Topf verrührt werden. Mir scheint, daß hier eine gewisse Klientel nicht bereit ist zu differenzieren, um es salopp auszudrücken, geradezu geil darauf ist, die Geschichte speziell nur nach deutschen Untaten durchzusieben.
Aus humaner Sicht war der Kolonialismus insgesamt kein Ruhmesblatt für den „weißen Mann“ und mir liegt es wirklich völlig fern deutsche Verbrechen, egal wo sie passiert sind, zu beschönigen. Jedoch sollte man den Kolonialismus, den es in vielfältigen Formen immer gegeben hatte und noch heute veränderter, in neoliberaler Form als Globalismus erscheint, insgesamt betrachten und nicht nur aus dem provinziellen Scheuklappenblickwinkel deutscher Selbsthasser.
Das riesige Gebiet der heutigen Republik Kongo war von 1885 bis 1909 im Privatbesitz des belgischen Königs Leopold II. In dieser Zeit verloren nicht Hunderttausende, sondern viele Millionen von Einheimischen, zum Kautschuksammeln gezwungen, ihr Leben.
Die liberalen, angeblich so humanen Niederlanden hatten in einem ungemein brutalem Kolonialkrieg 1947-1950 (indonesischer Unabhängigkeitskrieg) in Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien, keine Gefangenen gemacht. Gut Hunderttausend Freiheitskämpfer wurden als Gefangene einfach erschossen.
Die USA, als ursprünglich britische Kolonie, ist auf einem Genozid an vielen Millionen der indianischen Urbevölkerung, noch bis Anfang des 20.Jahrhunderts (!!!), begründet, ganz zu Schweigen von dem brutalen Sklavenhandel, der England und die USA zusätzlich reich gemacht haben.
Das Wissmann-Denkmal halte ich persönlich für theatralisch, ist aber typisch für diese Zeit. Speziell in England, den Commonwelth-Ländern und Frankreich und finden sich ähnliche pathetisch-bombastische Denkmale.
M.E. sollte man das Wissmann-Denkmal dort wo es jetzt steht als Zeitzeugnis stehen lassen.
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