Autor: Volkhard Thom
Datum: 10.11.2004 10:05
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Betr.: Deutschen Kolonialgeschichte und Hermann v. Wissmann. Kommentare
Wie angeregt, hier meine Kommentare zu der Kolonialgeschichte, bezogen auf Ost-Afrika SWA, und Hermann v. Wissmann. Ich bin iteressiert daran, daß mein Beitrag in die Rubrik
Kolonialgeschichte.
Nachdem 1871 das Deutsche Reich gegründet wurde stand Deutschland international wieder auf Augenhöhe anderen Mächten gegenüber, z.B. den Kolonialmächten Großbritannien und Frankreich.
Im Zuge des Wirtschaftsaufschwunges und dem Wachstum des internationalen Handelns stieg auch der Import von sogenannten Kolonialwaren, wie z.B. Kaffee, Kakao, Kardamom, Kautschuk und Kopra. Diese wurden vom Handel zum großen Teil aus englischen Kolonieen importiert. Um unabhängig zu sein entschloß man sich, direkt mit z.B. den unabhängigen Südseehäuptlingen Handels- und Freundschaftsverträge zu schließen, den ersten in Ozeanien 1879 mit Samoa (Deutsche Handels- und Plantagengesellschaft, Hamburg).
1884 entschloß sich die Reichsregierung, Kolonialunternehmungen unter ihren Schutz zu nehmen um sie gegen fremde, meist britische Anfechtungen zu verteidigen. Genau genommen begann die Kolonialgeschichte am 24. April 1884, als ein Telegramm Bismarcks amtlich die Schutzerklärung für die vom bremer Kaufmann Lüderitz in Südwestafrika vollzogenen Erwerbungen verkündete. Die Kolonialgeschichte beruhte auf rein wirtschftlichen Maßnahmen, initiiert von Kaufleuten, nicht von Politkern aus machtpolitischen oder militärischen Gründen.
Während mit den Ozeanischen Inseln nur wirtschaftliche Kontakte bestanden, ergab es sich bei den afrikanischen Ländern, daß speziell aus landwirtschaftlichen Kreisen auch ein Interesse am Landerwerb und Ansiedelungen bestand, analog den existierenden britischen, französischen, portugisischen und belgischen Kolonien.
In Ostafrika schloß 1884 die Deutsche Gesellschaft für Kolonisation mit mehreren Häuptlingen Verträge über die Erwerbung von 4 Landschaften ab, für die sie 1885 einen kaiserlichen Schutzbrief erhielt. Der arabische Herrscher von Sansibar, Sultan Seyyid Bargasch, wollte diesen Schutzbrief nicht anerkennen, obwohl er keine Oberhoheit über die Häuptlinge auf dem Festland hatte, und begann Feindseligkeiten gegen die 17 deutschen Stützpunkte. Ein deutsches Geschwader zwang ihn zur Anerkennung des Schutzbriefes. Die Araber, und mit ihnen viele am Sklavenhandel mitbeteiligte Häuptlinge, fürchteten zu Recht, daß durch die Deutschen der lukrative (angeblich bis heute bestehende) Sklavenhandel beendet werden sollte. Das war auch eines der Hauptziele der Deutsch-Afrikanische Gesellschaft (D.=O.G.) und wurde durchgesetzt. Mit dem Sultan wurde vereinbart, daß die D.=O.G. die Verwaltung des Küstengebietes übernehmen sollte. Als am 15.8.88 der Vertrag in Kraft treten sollte, brach ein Aufstand der Araber unter der Führung des Arabers Buschiri und der von ihnen abhängigen Eingeborenen-Häuptlinge aus, und von den 17 Stationen gingen 15 verloren. Nur durch das Eingreifen deutscher und englischer Kriegsschiffe konnten Dar es Salam und Bagamoja gehalten werden. Die D.=O.G. bat die Reichsregierung um Hilfe, die den Hermann Wissmann als Reichskommisar beauftragten, den Aufstand zu beendigen, was dieser auch innerhalb weniger Monate mit Hilfe einer hauptächlich aus Sudanesen bestehenden Truppe erreichte. Buschuri wurde 1889 hingerichtet, der zweite Rebellenführer Bana Heri unterwarf sich 1890. Am 1.1.1891 übernahm das Deutsche Reich die Hoheitsrechte.
Was die Diskussion über SWA Afrika betrifft, folgendes:
Die Völkermord-Theorie an den Hereros basiert auf Verlautbarungen des DDR-Historikers Drechsler aus den 60er Jahren, der vor der Veröffentlichung seiner Schriftern nie in Namibia war, sondern erst viel später. Dort traf er auf Frau Brigitte Lau, Leiterin des National-Archivs in Windhoek, mit der er lautstarke Auseinandersetzungen hatte. Ein Aufsatz von ihr, 1989 geschrieben, befaßt sich eingehend mit dem ganzen Unsinn, der über den Herero-Krieg geschrieben wurde sowie dem angeblichen Genozid und sollte von allen, die da meinen, sie wüßten die Wahrheit, gelesen werden. Leider verunglückte sie 1996, aber Frau Dr. Maria Fisch, Rergierungsethnologin i.R. für die Kavango- und Caprivi-Region, hat die Untersuchungen von Frau Lau fortgesetzt. Sie schließt ihre Arbeit wie folgt: Es gibt keinen gerechten Krieg, und keiner Seite ist damit gedient, wenn die Heilung der zurückgebliebenen Wunden durch tendenziöse Geschichtsverdrehungen und idologische Parolen verhindert wird. Und daß die Schlacht am Waterberg eine Niederlage für General von Trotha war, hat der Oberstleutnant a.D. Klaus Lorenz in seiner von der Philosophischen Fakultät der Uni. Hamburg angenommenen Magisterarbeit nachgewiesen. Sein Resumee: Waterberg und Omaheke sind - wie hier nachgewiesen wird - nicht als 'erster massenhafter Genozid in der deutschen Geschichte' zu werten. Es handelte sich keinesfalls um gezielten Völkermord, wie dies vorsätzlich und ideologisch verbrämt noch bis in die jüngste Zeit fälschlich dargestellt wird. Soviel ins Stammbuch der Möchtegerne-Historiker, die den in der ganzen Welt, außer in Deutschland, hochangesehenen Historiker Leopold von Ranke " man kann die Geschichte nur aus der Zeit heraus erklären,. in der sie stattgefunden hat", für unzeitgemäß erklären und der tendenzösen "Frankfurter Schule" hinterherlaufen.
Hermann v. Wissmann.
Geb. 1853, unternahm Hermann Wissmann 1880 im Auftrag der Deutschen afrikanischen Gesellschaft zusammen mit dem Afrikareisenden Paul Pogge eine Expedition von Loanda an der afrikanischne Westküste bis Nyangwe am oberen Kongo. Von dort durchquerte er 1882 alleine Afrika über den Tanganjika-See bis zur Ostküste bei Saadani, nördlich Dar es Salams. Eine weitere Reise führte ihn mit 7 weiteren Europäern im Auftrag von König Leopold von Belgien von 1885-1887 in das südliche Kongbecken zur Erforschung des Kasai, wo er dann am Lulea-Fluß Luleaburg gründete. Von dort fuhr er mit einem Teil der Expedition in einem Faltboot und mit Eingeborenenbooten den Lulea und den Kasai und weiter in den Kongo nach Leopoldville. Einige Monate später führ er wieder alleine den Kasai aufwärts und durchquerte über Nyangwe und den Tanganjika-See, dann aber über den Njassa und Sambesi nochmals Afrika. Dort ereilte ihn 1888 der Auftrag von Bismarck, unter Beförderung zum Hauptmann und Ernennung zum Reichskommissar den Araberaufstand unter Buschuri zu beenden. Darauf wurde Wissmann zum Major befördert und nahm 1891 den vom Sultan von Sansibar abgetretenen Küstenstreifen in Besitz. Als dann eine Zivilverwaltung für Deutsch-Ostafrika eingerichtet wurde, war er als Kommissar dem Gouverneur Soden unterstellt. Von 1895-96 wurde er Gouverneur von DOA, kehrte dann nach Deutschland zurück. Er war dann. Vorsitzender der Gesellschaft für Erdkunde, zog sich ins Privatleben zurück und starb 1905.
Seine in acht Jahren durchgeführten drei Reisen und beiden Durchquerungen von Äquatorial-Afrika als erster Europäer waren außerordentliche Leistungen, die Grund genug sind, sein Denkmal wieder aufzustellen. Auch trug sein Kampf gegen die Sklavenhändler, unter denen die Eingeborenen in Ostafrika schon lange litten, dazu bei, daß in Deutsch- Ostafrika dieser Handel ein Ende fand. Wie gut organisiert der Sklavenhandel war, geht aus dem Schicksal Emin Paschas hervor. Nach dem Sieg der Engländer über den Mahdi verließ Emin Pascha, ein glühender Feind des Sklavenhandels, den Südsudan und wurde 1890 Mitarbeiter Wissmanns. In seinem Auftrag bereiste er mit Mitarbeitern DOA bis zum Viktoria-See, wo er sich aus persönlichen Gründen von den Mitarbeitern trennte, um im Kongogebiet einer Einladung zu folgen. Diese war eine Finte, und er wurde 1892 im Auftrag des bekannten Sklavenhändlers Häuptling Kibongo von dem arabischen Händler Ismaili ermordet. Die Belgier waren in der Lage, die Mörder zu fangen und hinzurichten.
Das Denkmal von Hermann von Wissmann sollte wieder aufgestellt werden, ein passender Ort wäre der Tansania-Park.
Volkhard Thom
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