Autor: Rüdiger Trost
Datum: 15.02.2005 20:44
Film:
Eine Kopfjagd -
Auf der Suche nach dem Schädel des Sultans Mkwawa
Der Filmemacher Martin Baer schreibt:
Bei der Arbeit an dem Film 'Befreien Sie Afrika!' im Jahre 1996 stieß ich in Joseph Ki-Zerbos 'Geschichte Schwarz-Afrikas' auf eine Passage über die Kolonie 'Deutsch-Ostafrika':
"...Nachdem in den Jahren bis 1891 Major von Wißmann und Karl Peters bei der "Pazifikation" in Ostafrika zahlreiche Städte und Ortschaften zerstört und Tausende getötet hatten, erhoben sich die Hehe im Südwesten Tanganjikas. "
Mit ihrem Häuptling Mkwawa an der Spitze fügten die Hehe der 1000 Mann starken Armee, die die Deutschen gegen sie marschieren ließen, eine empfindliche Niederlage zu. Drei Jahre lang bot Mkwawa ihnen die Stirn. Dann im Jahre 1894 konnte ein zweites deutsches Heer nach einem erbitterten Schlachtengetümmel seine Hauptstadt Kalinga einnehmen."
IN DEN ARCHIVEN...
Die Suche nach Informationen über das Schicksal Mkwawas und über den Weg, den der Schädel des Sultans von Afrika nach Deutschland genommen hatte, gestaltete sich nicht einfach....
"Sein abgeschlagenes Haupt schickte man nach Deutschland?" Ich glaubte zuerst, nicht richtig gelesen zu haben. Die deutschen Kolonialherren als Kopfjäger? "1954 soll es zurückgebracht worden sein?" ...
Als nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 'Deutsch-Ostafrika' faktisch in den Besitz der Engländer übergeht, legen die Alliierten im Versailler Vertrag fest, dass "der Schädel des Sultans Makaua ... von Deutschland der Regierung seiner Britischen Majestät zu übergeben (ist)."
Die Dokumente in den Archiven und Bibliotheken enthalten nur wenige Hinweise, wo sich der Schädel des Sultans Mkwawa zu jener Zeit befand, sie zeigen aber, wie in Deutschland mit der kolonialen Vergangenheit umgegangen wurde. In Berlin, wo man dem Wochen nach dem Waffenstillstand aus Afrika zurückgekehrten, 'im Felde unbesiegten' General Lettow-Vorbeck bei einem Triumphzug durchs Brandenburger Tor zujubelt, gibt es nach wie vor ein Kolonialministerium; wo der Schädel Mkwawas sei, teilt man den Engländern mit, das wisse man nicht. Die Wegnahme der Kolonien sei sowieso durch nichts zu rechtfertigen. In dieser Zeit nimmt die Legende von den Deutschen als den besseren, humaneren Kolonialherren ihren Anfang.
Es beginnt die Suche nach dem Schädel des Häuptlings. Eine bizarre Jagd nach einer makabren Trophäe. Den Namen Mkwawa kennt man in Europa noch, und in Deutschland melden sich ehemalige Schutztruppler, 'Deutsch-Afrikaner' und Wichtigtuer zu Wort, die behaupten, etwas über den Verbleib des Schädels zu wissen.
Dass der Versailler Vertrag Forderungen der ehemaligen Kolonialvölker enthält, empfinden viele Deutsche als besondere Schmach, der Verlust der Kolonien gilt als gänzlich ungerechtfertigtes Ergebnis des Krieges. Lettow-Vorbecks Schutztruppler sieht man als Helden.
Die Tropenuniformen, für die kein Bedarf mehr besteht, werden an eine Partei verkauft, die damit ihre 'Schutz-Abteilung' einkleidet: so kommt die SA der NSDAP zu ihrem Namen 'Braunhemden'.
IN OSTAFRIKA...
Daß die Deutschen vor einhundert Jahren den Schädel des besiegten Feindes Mkwawa nach Berlin mitgenommen haben, das wissen die Menschen in Tansania heute noch. Man erinnert sich gut an die Geschichte des Widerstands der Hehe und ihres Sultans Mkwawa gegen die Kolonialeroberer. Straßen, Plätze, Schulen sind nach dem Nationalhelden benannt. In Iringa, der Hauptstadt der Provinz Uhehe, führt die Mkwawa Road zur größten Oberschule Tansanias, der 'Mkwawa High School'...
Bei unserer gemeinsamen Suche haben wir mit zahlreichen Wissenschaftlern sprechen und für die Öffentlichkeit sonst nicht zugängliche Museumsdepots und 'Anthropologische Sammlungen' aufsuchen und filmen können. Die Besuche in den 'Schädelmagazinen' deutscher Museen erinnern eindringlich an ein bis heute weitgehend verdrängtes Kapitel der Wissenschaftsgeschichte.
Der ganze Text:
http://www.einekopfjagd.de/hauptframe-neu.htm
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