Autor: Andreas Baumgart
Datum: 30.01.2005 17:41
Hallo,
seit dieses Kolonialdenkmal im Hafen steht, gehe ich dort nicht mehr spazieren, denn mir wird jedes Mal beim Anblick übel. Auch ausländische Freunde, die mich besuchen, führe ich nicht mehr an die Landungsbrücken.
Hamburg hält sich für eine weltoffene Stadt, praktiziert mit diesem Projekt aber genau das Gegenteil. Völlig unabhängig davon, wer da verewigt wird, die Message ist doch ganz klar: Oben steht der weiße Kolonialist (Herrenmensch) und von unten schaut ein farbiger (zwangsrekrutierer) Soldat nach oben zu ihm auf.
Dass das ein kontroverses kulturelles Projekt sein soll, erfährt man nur, wenn man sich zu der kleinen Tafel hinten am Sockel begibt und den deutschsprachigen Text liest. Wie viele Besucher des Hafens, insbesondere aus anderen Ländern und Kontinenten, wie z.B. Afrika, können das, vorausgesetz der Schreckt jagt sie nicht gleich davon, überhaupt lesen? Wie war das noch mit Hamburg international und weltoffen ausgerichtet?
Für die meisten Hafenbesucher ist die Message doch ganz deutlich: Willkommen im Hamburg der Weißen - Neger bleibt zu Hause und passt bloß auf! Wir stehen zu unseren blutrünstigen und gierigen Kolonisationsversuchen und knüpfen wieder daran an.
Zur Erinnerung: Der Rassismus wurde erst mit der Epoche des Kolonialismus als Ideologie geboren, um damit die blutige und gierige Eroberung von Kolonien zu rechtfertigen.
Dieses Denkmal ist wiederlich und gehört, genauso wie das Kriegerdenkmal bei Planten und Blom, endlich und endgültig abgeschafft. Die kulturellen Mäntelchen erfüllen immer, ob gewollt oder nicht, eine Alibifunktion für die Tendenz, sich wieder positiv auf die nationalistische, kolonialistische und rassistische deutsche Vergangenheit zu beziehen.
Schöne Grüße,
Andreas Baumgart
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