Autor: Arne Schöfert
Datum: 20.10.2004 08:57
Als Nachtrag zu meinem vorherigen Posting:
Ich halte es für angebracht hier mal grundsätzlich etwas zur Interpretation des Denmals anzuführen, da viele das Denkmal falsch verstehen. Wohl auch wegen einer irrtümlichen Darstellung der Symbolik im Buch von Dr. Joachim Zeller.
Ich zitiere hier Dr. Michael Weißkopf aus seiner Arbeit "Studien zur kolonialen Denkmalforschung - Anmerkungen zu Joachim Zellers `Kolonialdenkmäler und Geschichtsbewußtsein - Eine Untersuchung der kolonialdeutschen Erinnerungskultur"
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Vom Wissmanndenkmal in Dar-es-Salaam wurden keine untergeordneten Figuren entfernt (Zeller Nr. 142, vgl. auch Nr. 50), wir müssen allerdings zweierlei beachten: Den an Wissmanns Gestalt aufwärts schauenden Askari auf dem Sockel und den toten Löwen, der, mit über die Kante des Sockels hängenden Pfoten am Boden des Denkmals liegend, von der Fahne des Askari eingehüllt wird. Zellers Interpretation („Wissmann erscheint hier aber nicht nur als ´Herrenmensch´ über den ihm ergebenen Afrikaner und als Herrscher über das eroberte Land, sondern auch als Bezwinger der Natur. Denn offensichtlich ist der getötete König der Tiere sein Werk und seine Beute. So tritt Wissmann hier – in Anspielung auf Herkules mit dem getöteten Löwen gleichsam als ´kolonialer Herkules´, mit übermenschlichen Kräften versehen auf.“) (Zeller, S. 123f.) muß ich ablehnen. Vielmehr glaube ich, daß auch der Löwe selbst Wissmann symbolisiert – denn darum hüllt der Askari den Löwen mit einer Fahne ein (wie etwa auch der Sarg eines Soldaten mit einer Flagge bedeckt wird), und darum blickt der Askari an Wissmanns Gestalt empor – als Erinnerung an den toten Herrmann v. Wissmann. Das Monument feiert Wissmann nicht nur in einer mutigen Pose, sondern auch so wie sich seine Kameraden und Zeitgenossen und auch die Nachwelt an ihn erinnerten: Als der "Löwe von
Deutsch-Ostafrika".
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