Autor: Siebenjähriger
Datum: 11.11.2004 10:48
Das INternet als "virtuelle Bühne" der streitbaren Auftritte und Ausseinandersetzungen... Die Protagonisten können sich selbst "einwählen" sie arbeiten ohne Intendanz- es sei denn sie sind ideologisch verbrämt und handeln unter indoktriniertem Gruppenzwang= sozusagen im Schulterschlußverfahren der geistigen Enge -eng verpflichtet.
Nehmen Sie es als "ethisch geistiges Elexier" und Grundstoff für eine andere Weltanschauung, als die der Kriegsfreunde und militärische Ehren-Bekunder sowie Populisten des rechtsradikalen Blätterkrams...
Außerdem steht nach Überwindung der Feudalherrschaft auch die bürgerliche Großmannssucht der Kaufleute zur Disposition die dann in kriegerisches Handeln nach immer mehr Profit, ihren Ausdruck findet...
In diesem Forum wird mit Vorliebe von irgendwelchen Schutzgebiete Seiten kopiert
insofern als ethisches und aufklärerisches Gegenwicht mal Lessing. Schiller fehlt noch -als ehemaliger "Fahnenflüchtling" aus Überzeugung zugunsten der Künste und Dichtung -dem Leben verpflichtet, eben...
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[b]Lessings Literaturtheorie[/b]
Gottscheds Literaturtheorie war der des Barock zwar weit voraus, doch hinderte sie die Weiterentwicklung der bürgerlichen Literatur: durch Festlegung des literarischen Schaffensprozesses, Einhaltung der Ständeklausel und der drei Einheiten des Dramas und den aristotelischen Grundsatz von der Nachahmung der Natur. Seine Literaturtheorie wurde von Lessing am heftigsten kritisiert. Er lehnte alle Forderungen Gottscheds ab, ohne aber von den aufklärerischen Ideen abzuweichen. Lessings Standpunkt überwand die feudalen Literaturtheorien endgültig.
Die Überwindung der Ständeklausel von Lessing wurde dadurch ermöglicht, daß der Mensch nicht mehr nach seinem sozialen Status handelt, sondern darüber hinausgeht. Lessing gab der Literatur eine neue Funktion: es sollte eine sittliche Läuterung des Leserpublikums erfolgen, anstatt einer moralischen Belehrung nach Gottsched.
An die Tragödie stellte Lessing besondere Forderungen: Angst, Furcht und Mitgefühl sollten beim Leser und Zuschauer erweckt werden. Der Leser sollte sich mit den Protagonisten auseinandersetzen können, mit ihnen mitfühlen und sich davor fürchten, das gleiche Schicksal zu erleiden. Der Held durfte deswegen keine ideale Figur darstellen, sondern er mußte ein reale Person darstellen. Lessing fordert, im Gegensatz zu Gottscheds Nachahmung der Natur, eine poetische Nachahmung, d.h. die Dinge sollen vom Dichter nicht naturalistisch wiedergegeben werden, sondern Unwichtiges und Nebensächliches soll weggelassen werden, damit nur das Wichtigste übrigbleibt. Lessing schrieb seine Gedanken zur Dramentheorie in der "Hamburgischen Dramaturgie" (1767/1768) nieder.
Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)
Das Drama in der Epoche der Aufklärung
Das Drama spielte in der Aufklärung eine besondere Rolle. Hier hoffte man die Zuschauer und Leser besser erziehen und verändern zu können, als in anderen literarischen Gattungen. Im 18. Jahrhundert versuchten viele Bürgerliche sich als Schauspieler zu bewerben, um Rollen zu spielen, die ihnen im wirklichen Leben versagt blieben.
Gottscheds Dramen
Weder das Wandertheater noch das Hoftheater konnte für die aufklärerischen Ideen genutzt werden. Gottsched versuchte allerdings das Wandertheater für ein bürgerliches Publikum interessant zu machen, indem er ihr Niveau hob. Er arbeitete mit einigen Schauspielertruppen zusammen, darunter Caroline Friederike Neuber (1697-1760), eine Schauspielerin und Leiterin einer eigenen Theatergruppe.
Gottsched hatte das klassizistische französische Theater zum Vorbild. In seinen eigenen Dramen versuchte er es mit Einhalt von Zeit, Ort und Handlung, Ständeklausel, usw. zu realisieren. Die erste Umsetzung seiner Dramentheorie war das Trauerspiel "Sterbender Cato" (1732). Gottsched versuchte ein Dramenmodell aus englischen und französischen Dramen zu schaffen, welches zum Vorbild für andere Dramaturgen dienen sollte. Doch seine Orientierung am französischen Klassizismus brachte ihm bald viel Kritik ein, v.a. Lessing war es, der Gottscheds Dramen stark verurteilte, denn die Dichter wurden mit zu vielen Regeln eingeengt.
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Lessings Dramen
Lessing verfaßte in der "Hamburgischen Dramaturgie" seine Gedanken zur Dramentheorie. Er brachte die Entwicklung des bürgerlichen Dramas weit voran, mit "Minna von Barnhelm", "Emilia Galotti" und "Nathan der Weise" schuf Lessing Werke, die bis heute noch zum Standartrepertoire vieler Bühnen gehört.
Sein wohl bedeutendste Tragödie ist der "Nathan". In diesem Drama bricht Lessing mit der bisherigen Theatertradition, daß Juden nur als lächerliche Darsteller auf der Bühne waren. Außerdem kämpft er damit gegen antisemitische Vorurteile. Während des Nationalismus in Deutschland, 1933 bis 1945, wurde es verboten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Drama wieder auf deutschen Bühnen gespielt.
Die Bürgerlichen Dramen waren im eigentlichen Sinne gar nicht "bürgerlich", denn die handelnden Personen stammten weiterhin aus dem Adel. Doch verkörperten einige Adlige bürgerliche Tugenden und Vorstellungen, wie Toleranz, Humanität, Gerechtigkeit, Sittlichkeit, Warmherzigkeit und eine Fülle an Gefühlen. In Lessings "Emilia Galotti", beispielsweise, stammt Emilia aus dem niederen Adel, verkörpert aber bürgerliche Ideale. Erst in Schillers "Kabale und Liebe" stammt eine Hauptperson aus dem Bürgertum.
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http://www.literaturwelt.com/epochen/aufklaerung.html
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