Autor: Arne
Datum: 26.04.2005 12:25
Kai W. schrieb:> Immer wieder werfen die Kolonialnostalgiker Anderen vor, aus
> dem von den Alliierten verfassten, kriegspropagandistischen
> ?Blaubuch? oder aus DDR-Quellen zu zitieren. Wenn sie die neuen
> Publikationen lesen würden, würden sie feststellen, dass heute
> ganz andere Quellen zur Verfügung stehen, z.B. Direktmaterial
> aus den Archiven Windhoek, Swakopmund, die Bundes- und
> Bildarchive Koblenz, Bremen und Berlin. Und dazu zahlreiche
> amerikanische Untersuchungen seit den 1960er Jahren bis heute,
> um nur einige zu nennen. Der Herero- und Nama-Aufstand und der
> Völkermord gehören zu den am gründlichsten untersuchten
> Zeitabschnitten der deutschen Kolonialgeschichte.
>
> Schaut man auf die Quellen, aus denen der Traditionsverband
> schöpft, zweifelt man doch eher an deren wissenschaftlichen
> Ausgewogenheit: es sind durchweg Beiträge von deutschen
> Truppenangehörigen der Kolonialzeit.
Zweifel an der wissenschaftlichen Ausgewogenheit sind immer und überall erlaubt. Ich glaube allerdings, daß Berichte von Zeitzeugen, also Originärquellen eine vertrauenswürdigere Grundlage jeder Untersuchung sind (solange eine Vielzahl herangezogen wird), als offizielle Berichte, die anschließend in den Archiven abgegeben wurden.
Wir wissen doch alle, daß zu allen Zeiten nicht das an offizieller Stelle publiziert wird, was unbedingt wahr ist, sondern das, was "genehm" war ...oder ist. Sie werden mir da vielleicht in Bezug der Niederschriften von Franke zustimmen. Auf Archiveinsicht, also offizielle Dokumente darf natürlich nicht verzichtet werden, das will ich nicht ausdrücken.
Aber ich vertraue auf jeden Fall eher Zeitzeugenberichten als der dritten Interpretation der zweiten Zusammenfassung, der sechsten Bearbeitung <u>ausgewählter </u>Archivberichte, die Jahrzehnte später entstanden ist...
Arne
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