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 Re: Brutal
Autor: Hans Walden 
Datum:   21.10.2004 00:33

Das soll jetzt sachlich gewesen sein? Die Lektürempfehlung zum Buch von Claus Nordbruch kann so nicht stehen bleiben, meine ich. Ein Zitat aus der Besprechung von Joachim Zeller über dieses Buch mag das verdeutlichen:

"In ermüdender Weise reiht Nordbruch in seinen Schilderungen Zitate meist aus der damaligen Erinnerungsliteratur aneinander und präsentiert diese als scheinbar objektive Darstellungen ohne quellenkritisch vorzugehen, wodurch die Publikation einen durchweg kolonialapologetischen Charakter erhält. Auf Primärquellen aus den einschlägigen Archiven z.B. in Windhoek und Berlin hat der Autor gänzlich verzichtet Quälend ist unter anderem die Lektüre des Kapitels über die deutsche 'Schutztruppe', deren 'Tapferkeit' und 'wahren Heldenmut' er verteidigt. Die Ausführungen bewegen sich dabei einmal mehr auf dem Niveau und im Stil alter Kolonialbücher aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg."
(die ganze Rezension ist zu lesen unter http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=1978).

Wes (Un-)Geistes Kind C. Nordbruch ist, erweist sich im übrigen auf dessen website www.nordbruch.org zur peinlichen Genüge. Der einstige Bundeswehr-Leutnant ist offenkundig stolz darauf, dass ihm die National-Zeitung 2001 den "Freiheitspreis" verliehen hat. Vor kurzem hat Nordbruch in der rechtsextremen "Deutschen Stimme" (Nr. 10/2004)
auch die Wahlerfolge der "Nationalen Opposition" (NPD und DVU) in Brandenburg und Sachsen gefeiert.

Noch ein Wort zur vermeintlichen Richtigstellung in Sachen "Hunnenrede". Herr Niederdraeing zitiert hier die damals offiziell verbreitete Version der Rede und nicht den tatsächlichen Wortlaut der Kaiser-Tirade, wie sie auch vom Staatssekretär des Auswärtigen Amts und späteren Reichskanzlers von Bülow in seinen Memoiren "Denkwürdigkeiten" (Bd. 1, Berlin 1930, S. 359f.) bestätigt wurde. Suchen Sie ruhig mal im Internet nach "Hunnenrede" oder "Bülow zur Hunnenrede"!

Zurück zum Wißmann-Denkmal und seinem Umfeld. Vielleicht ist es von Interesse, dass es von 1938 bis 1945 an der Hamburger Universität, die damals zum Zentrum der deutschen Kolonialforschung ausgebaut werden sollte, als Untergliederung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbunds eine "Kameradschaft Hermann von Wißmann" gab. Auf dem Titelblatt mehrerer Ausgaben von deren Mitteilungsblatt "Der Kilimandscharo" war das Wißmann-Denkmal dargestellt. Die Wißmann-Kameradschaft genoss die Protektion von Polizeisenator Alfred Richter, aber nach Darstellung des ehemaligen Mitglieds Hellmuth Hecker gab es in dieser Gruppierung auch gewisse antinazistische Tendenzen. Ein Mitglied der Wißmann-Kameradschaft war übrigens Walter Jens, der spätere Rhetorikprofessor, den H. Hecker als "richtigen Nazifresser" erinnert. (Vgl. Hellmuth Hecker: Kolonialforschung und Studentenschaft an der Hansischen Universität im II. Weltkrieg. Die NSDStB-Kameradschaft "Hermann von Wißmann" und die "Übersee- und Kolonial-Arbeitsgemeinschaft", Baden-Baden 1986, S. 43).

Ich wäre dafür, das Wissmann-Denkmal als Nachdenk- und Diskussionsangebot mit Erläuterung in ein Museum zu stellen, allerdings auf keinen Fall in das künftige Tamm-Museum, das ja vermutlich selbst eine ausgeprägt militaristische Note erhalten wird! Es sollte ein leer stehender Bunker oder eine ehemalige Kaserne ausgewählt werden, in dem derartige ideologisch geprägten Denkmäler und "Kunstwerke" gesammelt und mit Begleitdokumentation einprägsam präsentiert werden können.

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Arne Schöfert 21.10.2004 13:49 
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Uwe Niedrdraeing 02.11.2004 08:40 
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 Re: Haben wir keine wichtigeren Dinge ?  
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